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Stiftungsallianz für Teilhabe, Bildung und Familien im Bahnhofsviertel unterstützt Projekte mit 230.000 Euro jährlich
Das Bahnhofsviertel in Frankfurt ist nicht nur ein Tor zur Stadt, wie Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl bei einem Baustellengespräch in der Moselstraße 13 sagte, sondern es ist zugleich für 3700 Menschen, darunter 400 Kinder und Jugendliche, ihr Wohnviertel und Lebensmittelpunkt. Um die Situation für Kinder, Jugendliche und deren Familien im Frankfurter Bahnhofsviertel zu verbessern, haben sieben Frankfurter Stiftungen einen gemeinsamen Fonds aufgelegt. Als „Stiftungsallianz für das Frankfurter Bahnhofsviertel“ wollen sie von 2025 bis 2027 jährlich gut 230.000 Euro für Bildungs- und Sozialarbeit im Viertel zur Verfügung stellen. Dafür richtet der Evangelische Regionalverband (ERV) mit Unterstützung von Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl in der Moselstraße 13 den offenen Begegnungstreff „FaMos“ ein.
Mitarbeitende des Evangelischen Regionalverbands beraten dort Interessierte über Fördermöglichkeiten, geben Informationen zum Fonds und bieten sukzessive Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten für den Stadtteil und seine Bewohner:innen an. Eröffnet werden soll „FaMos“ bereits in diesem Sommer. „Die Stiftungsallianz stärkt mit ihrem Engagement nachhaltig den sozialen Zusammenhalt im Viertel,“ freut sich Voitl.
„Unsere Stadt lebt durch ihre Menschen. Der Förderfonds der Initiative Frankfurter Stiftungen setzt genau da an. Über drei Jahre wird er sehr niedrigschwellig und ohne großen bürokratischen Aufwand fördern und helfen, um gerade auch Familien in unserem Bahnhofsviertel zu stärken,“ erklärt Astrid Kießling-Taskin, Vorstandsvorsitzende Initiative Frankfurter Stiftungen e. V. und Vorständin der Commerzbank-Stiftung. An der Allianz beteiligen sich neben der Commerzbank-Stiftung, die Crespo Foundation, die Karg-Stiftung, die Metzler Stiftung, die ODDO BHF Stiftung, die Stiftung Giersch und die Stiftung Polytechnische Gesellschaft.
„Mit dem FaMos bieten wir einen exklusiven und vertrauensvollen Ort. Hier unterstützen wir Familien in ihren Bedürfnissen und fördern die Netzwerke und Akteur:innen vor Ort. Das ist gelebte Familienbildung, verbunden mit innovativem Sozialraum-Empowerment. Wir freuen uns auf dieses zukunftsweisende Projekt, das zur Gestaltung von familienfreundlichem Kommunalraum beiträgt,“ bestärkt Silvia Genz, Leiterin Arbeitsbereich Bildung im Evangelischen Regionalverband die Intention des Projektes.
Der Förderfonds will unkompliziert Einrichtungen und Initiativen unterstützen, die im Sozialraum Bahnhofsviertel mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien arbeiten. Gefördert werden kleine und große, sehr praxisbezogene Maßnahmen und Projekte. Das Programm wird vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach organisatorisch und inhaltlich getragen und von Seiten des Koordinierungsbüros Bahnhofsviertel der Stadt Frankfurt begleitet.
Die Stiftungsallianz setzt mit ihrem Förderfonds gezielt an, um soziale Teilhabechancen im Bahnhofsviertel zu verbessern, Bildung positiv zu verstärken und das nachbarschaftliche Zusammenleben zu fördern. Das Jugend- und Sozialamt der Stadt unterstützt die Initiative zudem aus dem „Frankfurter Programm – Aktive Nachbarschaft“. Förderanträge bis maximal 10.000 Euro können ab sofort gestellt werden.
Weitere Informationen: www.famos-frankfurt.de
Richtfest im kirchlichen Tagungshotel Spenerhaus
Die Luft ist lau, der Himmel blau als Zimmermann Jonas Mathes hoch oben am Spenerhaus den Richtspruch verliest. Ein „Meilenstein“ auf dem Weg zu einem von Grund auf sanierten und umgebauten Tagungshotel im Herzen Frankfurts ist an diesem Tag geschafft. „Seht Ihr Leut‘ der Bau ist gerichtet, flott haben wir hier gute Arbeit verrichtet“, ruft Zimmermann Mathes quer über die schmale Dominikanergasse.
Bauen im Bestand Die besonderen Herausforderungen eines Bauvorhabens im Bestand am Rande der Frankfurter Altstadt hebt für den Bauherren Thomas Speck, Kaufmännischer Geschäftsführer des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach (ERV), hervor. „Es war und ist kein einfaches Bauvorhaben“ sagt Speck und dankt Planenden und Handwerkern, die das Bauprojekt bisher „mit großem Einsatz gemeistert“ haben. „Gutes Gelingen und einen unfallfreien Bauverlauf“ wünscht er allen am Bau Beteiligten.
Blick auf Heiliggeistkirche und Dominikanerkloster. Foto Rolf Oeser
Betonmischer schlängeln sich durch die enge Dominikanergasse Klaus März, Leiter der für den Betrieb des Tagungshotels Spenerhaus zuständigen Abteilung Zentrale Dienste im ERV, hat von seinem Büro aus einen „1a Blick“ auf die Baustelle. Bei jedem Betonmischer, der sich durch die Dominikanergasse schlängelte, habe er sich gefreut, weil wieder ein Bauabschnitt betoniert wurde. Er ringt dem mitunter hohen Geräuschpegel noch Positives ab, in dem Wissen „es bringt uns dem Ende des Baulärms näher.“ Auch wenn die ERV-Mitarbeitenden und die Anwohner:innen im Areal rings um die Heiliggeistkirche inzwischen vermutlich den Klang der Betonbeißer bei den Abbrucharbeiten von den Geräuschen der Rohbauer gut unterscheiden könnten.
Wegweisend: Der Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz Für den Abbruch sah die Planung übrigens vor, nur behutsam einzugreifen und so viel wie möglich vom Rohbau aus dem Jahr 1978 stehen zulassen. Das ist immer noch so wegweisend, dass Architekt Gerhard Greiner vom Kasseler Büro HHS Architekten am Tag des Richtfestes ein ZDF-Team durch die Baustelle führte. „Viele, gerade Privatleute, setzen noch auf Abriss und Neubau,“ sagt Greiner. Zur Planung wurden unterstützende Studien und Berechnungen durch das Büro INA aus Darmstadt angefertigt. „Es zeigt sich, dass ein Neubau 100 Jahre stehen muss, bis der Energieverlust durch den Abriss ausgeglichen ist,“ sagt Architekt Greiner. Deshalb entschied sich die Evangelische Kirche beim Umbau ihres Tagungshotels für „nachhaltiges Bauen“, wie Verbandsleiter Thomas Speck betont. Die größte Ersparnis an CO² ging mit dem weitgehenden Erhalt der Bausubstanz einher, die Aufstockung des Gebäudes mit dem nachwachsenden Baustoff Holz tat ein Übriges, Fernwärme und Photovoltaikanlage werden zudem eingesetzt.
Drei-Sterne-Haus am Rande der Altstadt In dem kirchlichen Drei-Sterne-Haus im Herzen der Innenstadt wird durch Umbau und Sanierung die Bettenkapazität deutlich vergrößert: „Den Gästen stehen künftig 94 Betten in 64 Zimmern zur Verfügung, vorher waren es 34 Zimmer und 42 Betten“, sagt der Leiter der Bauabteilung des ERV Cornelius Boy. Aus dem 4. und 5. Obergeschoss genießen die Gäste schöne Ausblicke hin zur EZB und zum Henninger Turm, alle Fenster sind bodentief, die Doppelzimmer in der 4. Etage haben Balkone. Das Garni-Hotel verfügt über drei große Tagungsräume, die unterteilbar sind, in der Tiefgarage nahe der Konstablerwache gibt es 57 Abstellplätze. Tanja Eckelmann, die Leiterin des Tagungshotels Spenerhaus, freut sich auf die für das Frühjahr 2026 geplante Eröffnung. Erste Anfragen von künftigen Gästen des Betriebes, der zum Zusammenschluss der himmlischen Herbergen gehört, sind schon eingetroffen.
Diakonie Hessen lud zum Abschluss ins Zentrum für Frauen ein
Fußballtrainer Rudi Völler machte mit, Kabarettist Urban Priol und Fußballspielerin Nia Künzer – sie und andere Promis warben für die aktuelle Kampagne der Diakonie Hessen #wärmespenden. Mitte März verkündeten Diakonie Hessen Vorstandsvorsitzender Carsten Tag und Lisa Deißler, Vorständin der kooperierenden Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ im Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt und Offenbach das Spendenergebnis: 87.000 Euro.
Jede vierte Obdachlose ist eine Frau Schlafsäcke, Isomatten, Zelte, Rucksäcke und Schuhe werden dafür gekauft – für die rund 3000 Menschen, die in Hessen auf der Straße leben. Jede vierte von ihnen ist eine Frau. Inga Störkel und Rosa Loder vom Zentrum für Frauen beim Frankfurter Zoo kennen den Alltag von Frauen, die auf der Straße oder ohne feste Unterkunft sind. Viele von ihnen leben mit psychischen Erkrankungen und erlebten Gewalt. Im Zentrum für Frauen mit dem Tagetreff 17-Ost finden sie einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und auftanken können. Es gibt PCs, Duschen, Waschmaschine, die Gelegenheit, sich etwas zu kochen, an Kursen teilzunehmen, sich beraten zu lassen und im Tagestreff mit seinem Garten aufhalten zu können.
Schutz und eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben Inga Störkel betonte bei ihrer Begrüßung der Gäste zum Kampagnenabschluss, wie wichtig Einrichtungen für Frauen sind, die Schutz, Unterstützung und eine Perspektive bieten: „Gemeinsam mit den Frauen erarbeiten wir ihren Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.“ Auch die kontinuierliche Unterstützung des Zentrums für Frauen durch die Aktion #wärmespenden betonte Störkel: „Die Kampagne rettet Menschenleben, weil sie essentielle Hilfe leistet. Wir benötigen sie jedes Jahr aufs Neue.“
Schlafsäcke und anderes zum Überleben gibt es im Tagestreff-17 Ost. Foto: Sarah Charlotte Krämer
So viele Spenden wie noch nie Lisa Deißler von der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“, dankte ebenso wie Diakonie-Vorsitzender Carsten Tag den vielen Spenderinnen und Spendern: „Es sind so viele Spenden von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen wie noch nie“. Deißler kündigte an, die Aktion auch 2025/26 fortzusetzen. Carsten Tag wies auch auf strukturelle Probleme hin: „Es gibt nicht genug bezahlbaren Wohnraum.“ Daher seien vermehrte Anstrengungen im Wohnungsbau und in der sozialen Beratung notwendig. Tag dankte auch der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“, Lotto Hessen, der Firma Ströer für die Außenwerbung und HIT RADIO FFH für die Öffentlichkeitsarbeit. Sozialarbeiterin Rosa Loder und Inga Störkel gaben den Gästen bei Führungen durch den Tagestreff Einblicke in die Situation der Frauen, die das Zentrum besuchen. Viele von ihnen sind zwischen 40 und 50 Jahren alt, aber auch jüngere und ältere Frauen suchen hier Schutz und Unterstützung.
Tagestreff-17 Ost
Heike Hofmann und Roman Poseck stellen Verbesserungen für Wohnungslose in Aussicht
Kameras, Mikrofone, gezückte Handys – großes Medienaufgebot vor dem WESER5 Diakoniezentrum. Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) und Innenminister Roman Poseck (CDU) waren im März nach Frankfurt gekommen, um einen Sieben-Punkte-Plan der Hessischen Landesregierung für das Frankfurter Bahnhofsviertel vorzustellen. Zum Abschluss ihrer Tour, die in der Polizeidirektion Mitte begonnen und durch die Münchner Straße geführt hatte, wollten sich die beiden in der großen Einrichtung für Wohnungslosenhilfe der Diakonie Frankfurt und Offenbach informieren. Und sie wollten aufzeigen, wie sich die Situation für Wohnsitzlose verbessern kann.
Foto: Tanja Botthof
Housing First an Modellstandorten Bestehende Hilfen für Wohnungslose gezielt weiterzuentwickeln – das hatte die Landesregierung angekündigt. Grundlage soll eine Studie zur Lebenssituation Betroffener sein, die Sozialministerin Heike Hofmann demnächst vorstellen will, um anschließend eine Wohnungsloseninitiative zu starten. Auch für Housing First, also Projekte, die Menschen von der Straße direkt in Wohnungen vermitteln, sollen Modellstandorte entwickelt werden. Und ein Teil der Landesmittel in Höhe von acht Millionen Euro für Gemeinwesenarbeit sollen unter Umständen auch im Bahnhofsviertel eingesetzt werden.
Kein Anspruch auf Leistungen Henning Funk, der Leiter des WESER5 Diakoniezentrums und seine Stellvertreterin Christiane Wirtz machten den Besucher:innen aus Wiesbaden vor zahlreichen Medienvertreter:innen deutlich, dass viele Gäste des Diakoniezentrums keinerlei Anspruch auf Leistungen haben. „Warum?“, erkundigte sich Innenminister Roman Poseck. EU-Bürger, die kürzer als fünf Jahre in Frankfurt leben, ohne Job und ohne Wohnung, erhalten auch keine Unterstützung, antwortete Funk. Später, bei einer Führung durch den Tagestreff für Obdachlose, erzählt er von EU-Bürger:innen, die zum Arbeiten nach Frankfurt kommen. Der Weg in die Obdachlosigkeit sei mitunter sehr kurz: Gelinge es nicht Arbeit zu finden, komme es schnell dazu, dass einige von ihnen auf der Straße übernachten, und mit Alkoholkonsum beginnen. „Anfangs sind die Leute fit, aber jede Woche, die sie länger auf der Straße leben, verschlechtert sich ihr Zustand bis sie abstürzen“, sagt Henning Funk.
Kirchensteuermittel für die Wohnungslosenarbeit Im Tagestreff Weißfrauen, erläutert Christiane Wirtz, gebe es eine „Basisversorgung für alle“. Dabei gehe es immer darum, die Betroffenen mit Unterstützung und Beratung in ein gutes Leben zurückzuführen. Für problematisch hält sie die zunehmende Ungleichbehandlung der Menschen aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Der Gruppe Wohnungsloser mit Anspruch auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch stünde eine zunehmende große Zahl von Menschen gegenüber, die ohne rechtlich Anspruch auf Unterstützung seien. Das führe zu wachsendem Unmut und Aggressionen. „Wir sind an unseren Grenzen, wir brauchen mehr Personal. Landesmittel, die wir gezielt einsetzen können, wären uns sehr willkommen“, sagt Henning Funk den Gästen aus Wiesbaden. Diakoniepfarrer Markus Eisele betont: „Als Diakonie setzen wir Kirchensteuermittel ein, um alle Menschen gut zu versorgen.“ Das reiche aber bei weitem nicht. Er sei dankbar, dass das Land hier künftig mehr Mittel zur Verfügung stellen will.
Gute Arbeit Beide Minister zeigen sich beeindruckt von der Arbeit des WESER5 Diakoniezentrums, in dem 50 Mitarbeitende an vier Standorten arbeiten und das an sieben Tagen pro Woche offen ist. Allein in den Tagestreff kommen um die 150 bis 180 Gäste pro Tag. Heike Hofmann und Roman Poseck bedanken sich für die „gute wertvolle Arbeit“. Sozialministerin Hofmann nannte Wohnungslosigkeit als „zentrales Thema, das wir auch im Bahnhofsviertel angehen wollen.“ Und sie verspricht, sich bei einem Folgetermin nochmals intensiver mit dem Problem der Nichtleistungsberechtigten zu befassen
Studierende forschten zu einer wenig bekannten Lebensweise
„Wir alle kennen die Volksfeste, aber die Menschen und die Zusammenhänge hinter den Kulissen kennenzulernen, war mit vielen neuen Erkenntnissen verbunden.“ So formulierten es Studierende der Evangelischen Hochschule Darmstadt, die sich zwei Semester lang mit der Welt der Fahrenden auseinandersetzten und eine Wanderausstellung zu dem Thema unter Leitung von Dr. Sonja Keil erstellten. Am Freitag, 7. März 2025 gibt es eine spannende Vernissage der Ausstellung, von 19 -21 Uhr im Haus am Dom, Domplatz 3. Drehorgel und Jenische Musik Das Drehorgelspielerehepaar Peter und Sabine Suchantke spielt zur Vernissage ebenso auf wie Alleinunterhalter Frajo. Zur Eröffnung sprechen unter anderem Dr. Sonja Keil, Evangelischer Regionalverband Frankfurt und Offenbach, Kuratorin und Lehrbeauftragte, die Studierende Juliana Wiebe, Diakoniepfarrer Markus Eisele, Schaustellerin Silke Coutandin-Hausmann, Till Lieberz-Gross vom Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. und Johannes Bühler, Lehrer der Schule für Kinder beruflich Reisender. Evangelische Kirche seit vielen Jahren engagiert Die Ausstellung „Die Welt der Fahrenden: Gestern und Heute – eine wenig bekannte Lebensweise“ ist vom 9. März bis 30. April, montags bis freitags jeweils von 9 Uhr bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 Uhr bis 17 Uhr im Haus am Dom zu sehen. Sie ist gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Zu einem großen Teil zeigt die Wanderausstellung, dass Anlaufstellen und Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Hessen, wie die Schule für Kinder beruflich Reisender oder die evangelische Schaustellerpfarrerin wichtiges leisten. Sie gibt einen Blick in die Geschichte und reflektiert die Lebenswelt der „Reisenden“ und „ehemals Reisenden“. Lebensvielfalt jenseits der Mehrheitsgesellschaft Sie zeigt den Alltag von Gruppen, deren Werte häufig nicht denen der Mehrheitsgesellschaft entsprechen und die jahrhundertelang Diskriminierung erfuhren. Die Studierenden fanden heraus, dass sich das Leben beruflich Reisender sowie ehemals Reisender durch eine besondere Vielfalt geprägt ist. Nach wie vor sind die Familien jedoch mit gesellschaftlichem Ausschluss, Stigmatisierung und Diskriminierung konfrontiert. Besonders die Verfolgungserlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus führten nicht selten zu einer generationsübergreifenden Weitergabe von Traumata. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Dienstleistungen von Schausteller:innen. Mittlerweile sind viele Familien sesshaft. Beweggründe sind der regelmäßige und ortsgebundene Schulbesuch der Kinder sowie die Pflege des sozialen Umfeldes. In Frankfurt engagiert sich der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach seit dem 1950er Jahren für die Schausteller:innen, Schrotthändler, andere „Fahrende“ und Jenischen, die in der Wohngemeinschaft Bonameser Straße in Eschersheim und den angrenzenden Stadtteilen leben. Gemeinwesenarbeit Wohngemeinschaft Bonameser Straße
Frankfurter Jüdische Gemeinde, Caritas und Evangelischer Regionalverband im Gespräch
„Wir sind tief beunruhigt“, eröffnete Diakoniepfarrer Markus Eisele das gemeinsame Gespräch von Jüdischer Gemeinde Frankfurt, der Caritas Frankfurt und dem Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach mit Vertretern der Presse, „angesichts der aktuellen politischen Lage und einem immer weiter auseinanderklaffenden Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“ Das rauer werdende Klima im Wahlkampf hat die drei großen Religionsgemeinschaften veranlasst, sich noch einmal öffentlich für einen gelingenden Zusammenhalt in unserer Gesellschaft einzusetzen.
„Mit Corona, dem Ukraine-Krieg und der folgenden Inflation haben wir als Gesellschaft drei große Krisen erlebt“, so die Caritas-Direktorin Gaby Hagmans. „Armutsphänomene und Gewaltexzesse sind gewaltig gestiegen, die existenzielle Angst ist größer geworden. In der Sehnsucht nach einfachen Lösungen in einer komplexer werdenden Welt, werden Schuldige gesucht.“ Das spürt auch die Jüdische Gemeinde in Frankfurt, wie Vorstand Boris Milgram bestätigt. „Seit dem Krieg gegen die Hamas in Gaza leben alle Mitglieder unserer Gemeinde in Angst und trauen sich nicht mehr mit jüdischer Kleidung auf die Straße.“ Hasserfüllte Parolen gegen Juden, gegen Israel, aber auch gegen Migranten werden immer lauter.
Alle drei verurteilen diese Entwicklung. „Es ist unser Anliegen, dafür Sorge zu tragen, dass der Zusammenhalt gelingt.“ Die Wohlfahrtsverbände wünschen sich eine Rückkehr zu einem sachlich geführten Diskurs. Dabei stellen sie die Nächstenliebe und die universelle Würde eines jeden Menschen in den Mittelpunkt, Werte die auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert sind. „Menschlichkeit ist wichtig!“, fasst es Boris Milgram zusammen.
Auch die Wohlfahrtsverbände stehen unter Druck, da Sozialausgaben erheblich gesunken sind und wohl auch weiter sinken werden, so die Befürchtung. Demokratiebildung, Teilhabe und Integration könnten aber gelingen, wenn beispielsweise Mittel für Sprachkurse, schnellere Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen oder ausreichend Therapieplätze für psychisch erkrankte Menschen bereitgestellt werden.
Das Wohl unserer Gesellschaft hänge auch davon ab, radikalen Rändern nicht allein die Bühne zu überlassen. „Wir müssen Haltung zeigen!“, so Gaby Hagmans „und wenn wir auf Parolen einfach nur antworten: Ìch teile deine Meinung nicht!‘.“ „Menschlichkeit sollte wieder der wichtigste Wert in unserer Gesellschaft werden“, ergänzt Boris Milgram.
Mit nachdenklichen Worten eröffnete Stadtdekan Holger Kamlah die erste Tagung der Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach im neuen Jahr. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit der ForuM-Studie, die Ende Januar 2024 an die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland übergeben worden war. Die unabhängige wissenschaftliche Studie beleuchtete erstmals das Thema sexualisierte Gewalt und Missbrauch in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland. Die ForuM Studie habe der Evangelischen Kirche einen Spiegel vorgehalten, weil lange geglaubt wurde, „dass es kein Problem unserer Kirche“ sei, so der Stadtdekan. Die Ergebnisse der ForuM-Studie legten ein jahrzehntelanges Versagen der Evangelischen Kirche und der Diakonie auf allen Ebenen und in allen Landeskirchen offen. Betroffene Personen wurden nicht gehört, Taten nicht aufgearbeitet, Täter geschützt und Verantwortung nicht übernommen. Sexualisierte Gewalt gehört zur Realität unserer Kirche und unserer Diakonie. „Wir müssen lernen, dass diese Wunde immer offen bleibt“, so Kamlah. „Aufarbeitung und Prävention tun bitter Not!“
Projektgruppe stellt eigenen Bericht auf der Stadtsynode vor Als Reaktion auf die Studie haben der Evangelische Regionalverband und das Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach vor einem Jahr eine Projektgruppe unter der Leitung von Petra Hofmann (Kompetenzzentrum Traumapädagogik. Kinderschutz. Systemisch.) beauftragt, die Ergebnisse der Studie zu analysieren und mit der Situation im Evangelischen Regionalverband und Stadtdekanat abzugleichen. Der Abschlussbericht dieser Arbeitsgruppe wurde während der Stadtsynode den Delegierten von Pfarrer Gunter Volz, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach, Monika Heil, Qualitätsmanagementbeauftragte im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach (ERV), Marko Schäfer, Präventionsbeauftragter und Referent im Stadtjugendpfarramt, vorgestellt.
Eine Kulturänderung ist nötig Das Ergebnis zeigt, dass sexualisierte Gewalt in vielen Kirchengemeinden und Einrichtungen noch nicht ausreichend thematisiert wird. Eine Ausnahme bildet der Bereich der Evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder, dort sind umfassende Gewaltschutzkonzepte bereits vorhanden und es wurden Fortschritte erzielt. In vielen anderen Bereichen herrscht hingegen noch die Vorstellung, dass „das bei uns nicht passiert“, heißt es in dem Bericht. Er kommt zu dem Schluss, dass der Handlungsbedarf häufig erst dann als akut wahrgenommen wird, wenn ein konkreter Verdachtsfall auftritt. Doch es braucht in allen Kirchengemeinden und Einrichtungen eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt, um eine Kulturänderung einzuleiten.
Das Unsagbare sagbar machen Die Projektgruppe hat eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet, um diesem Missstand entgegenzuwirken: Es braucht gezielte Maßnahmen, um das „Unsagbare sagbar zu machen“ und eine umfassende Sensibilisierung für (sexualisierte) Gewalt, Macht- und Abhängigkeitsstrukturen auf allen Ebenen verpflichtend und regelmäßig zu thematisieren. Ebenso muss die Auseinandersetzung mit Täterstrategien ein fester Bestandteil der Schulung werden. Dazu gehören unter anderem das Erkennen von Manipulation, Machtmissbrauch, das Einfordern von Gehorsam, das Schaffen von Geheimnissen, Einschmeicheln, Sonderbehandlungen, schrittweise Grenzüberschreitungen, Drohungen, Schuldzuweisungen, Verschleierung und Vertuschung, sowie das Diffamieren und Bloßstellen von Opfern. Ebenso wichtig ist es, die Glaubwürdigkeit der Betroffenen nicht in Frage zu stellen und die Verharmlosung von Taten zu verhindern. Dazu schlägt die Gruppe den Aufbau eines systematischen Wissens- und Kompetenzmanagements vor, die Einrichtung einer Fach- und Koordinierungsstelle Gewaltschutz sowie die flächendeckende Einführung eines Qualitätsmanagements.
Entschiedenes Handeln auf Leitungsebene Die größten Herausforderungen für den Evangelischen Regionalverband und das Stadtdekanat sind, flächendeckend Wissens- und Schutzstrukturen zu etablieren und die Gefährdungspotenziale klar zu benennen. „Als Verantwortliche ist uns klar, dass es entschiedenes Handeln auf oberster Leitungsebene geben muss“, so Stadtdekan Holger Kamlah. „Und dem stellen wir uns!“
Synode beschließt Maßnahmenpaket Die Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach hat daraufhin ein Maßnahmenpaket zum Thema „sexualisierte Gewalt“ beschlossen. Der Vorstand von Stadtdekanat und Evangelischem Regionalverband wurde in dem Beschluss beauftragt, „dafür Sorge zu tragen, dass die Empfehlungen des Berichts in enger Abstimmung mit Betroffenenvertreter:innen und den beauftragten Stellen in Kirche und Diakonie umgesetzt werden“.
Crespo Foundation fördert Chancen von Kids und Jugendlichen in Preungesheim
Marilea lässt Teigfäden in die Pfanne gleiten, rührt um, damit sie nicht anbrennen. Ihr Bruder Leo packt Blockschokolade in heißes Wasser. Heute wollen die Geschwister zusammen mit anderen Dubai-Schokolade machen. Ilknur Aydemir begleitet die Aktion in der Küche der Ambulanten Hilfen zur Erziehung in Alt-Preungesheim.
Wer hat schon einen Garten In der Turnhalle, ein Stockwerk tiefer, stehen bemalte Seifenkisten. 15 Kids und Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren bauten sie zusammen. Leo und Marilea machten mit, sortierten Schrauben, arbeiteten mit Werkzeug, setzten über Wochen einen Plan in die Wirklichkeit um. Auch in den Herbstferien im Taunus waren die Geschwister dabei, pflückten mit Erlebnispädagog:innen Äpfel und pressten Saft, kochten Gemüsesuppe über offenem Feuer. „Für viele Kids und Jugendliche aus dem Frankfurter Norden gehört das nicht zum Alltag“, erzählt Diplom-Sozialpädagogin Ilknur Aydemir, „wer hat schon einen Garten? Das sind Erlebnisse, die bleiben.“ Möglich wurde all dies und noch viel mehr dank einem großzügigen Fördertopf der Crespo Foundation.
Foto: Gesellschaft Erziehung und Elternarbeit.
50.000 Euro Fördermittel im Jahr 2024 Die Frankfurter Stiftung rief 2022 ihren Fördertopf „Förderung von Chancengerechtigkeit für Kids und Jugendliche“ ins Leben. Die Förderung begleitet und unterstützt die Arbeit des „fliegenden Künstler:innenzimmers“, das im Frühjahr 2023 auf dem Gravensteiner Platz „gelandet“ ist. Jeweils 50.000 Euro umfasst der Fördertopf der Crespo Foundation in den Jahren 2022, 2023, 2024 und 2025. Das Quartiersmanagement der Diakonie Frankfurt und Offenbach im „Frankfurter Programm –Aktive Nachbarschaft“ verwaltet den Fördertopf, berät Initiativen und Vereine bei den Projektanträgen, bewilligt diese und wickelt sie ab. „Ergänzend zum fliegenden Künstler:innenzimmer liegt der Fokus des Fördertopfes weniger auf der kulturellen Bildung als auf den drängenden sozialen Bedarfen von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil, wie beispielsweise Lernräumen oder Feriencamps. Das Quartiersmanagement vor Ort kennt die Bedarfe im Stadtteil genau und kann den Fördertopf daher partizipativ und niedrigschwellig verwalten“, sagt Professorin Christiane Riedel von der Crespo Foundation.
Manche reisten erstmals in eine andere Stadt „Viele Menschen haben noch weniger im Geldbeutel als in den Jahren zuvor. Dazu kommt, dass viele soziale Träger mit gestiegenen Kosten und knappen finanziellen Mitteln zu kämpfen haben. Da ist die Unterstützung von Seiten der Crespo Foundation nicht hoch genug zu bewerten “, sagt Oliver Fassing, Quartiersmanager der Diakonie Frankfurt und Offenbach. Und er zählt auf: Die Preungesheimer Arbeitsgemeinschaft Anti-Rassismus wurde unterstützt, Besuche von Jugendlichen und Familien bei der Frankfurter Buchmesse, Tagesfahrten für Familien nach Brüssel, Koblenz oder Köln – manche Familien konnten zum ersten Mal in eine andere Stadt reisen, sagt Oliver Fassing. Auch ein Sprachcafé im StadtRaum des Quartiersmanagements wurde gefördert, eine Schifffahrt für Frauen, Nachhilfe sowie ein Erste-Hilfe-Kurs für Eltern: „In Preungesheim kann dadurch wirklich was bewegt werden“, erklärt Fassing.
Druck durch Schule und Familien Ein weiteres gefördertes Projekt: Empowerment für Mädchen im Alter von zwölf bis 16 Jahren in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Alt-Preungesheim. Viele junge Mädchen „leiden unter sozialen Ängsten, Druck durch Schule und Familie, einer beginnenden Depression“, sagt Claudia Goertz, die Leiterin der Beratungsstelle. 2022 konnte eine zweite Mädchen-Gruppe starten, der Bedarf war gerade nach Corona hoch. „Es ist sehr berührend mitzuerleben, wie sich die Mädchen verändern und entwickeln“, sagt Goertz. Sie ist sehr froh über die Unterstützung der Crespo Foundation und des Quartiersmanagements.
Bogenschießen und im Kletterwald balancieren Von den tollen Projekten, die dank der Crespo-Förderung ausgebaut werden konnten, „profitiert die ganze Familie“, sagt Ilknur Aydemir von den Ambulanten Hilfen zur Erziehung. Und: „Darunter sind Familien, die in Trennung leben, geflüchtet oder erkrankt sind. „Wenn andere Kinder von ihren Ferien an der Ostsee erzählen, können unsere Kinder, die sonst nie in Urlaub fahren, sagen: ‚Ich war Bogenschießen, habe eine Seifenkiste gebaut und ich war im Kletterwald.‘“
Abschiebungsbeobachtung besucht Lehrgang der Bundespolizei
Wie gehen Bundespolizistinnen und -polizisten während Abschiebungen auf dem Luftweg mit abgelehnten Asylsuchenden um? Einen Einblick gewannen die Abschiebungsbeobachter:innen am Flughafen Frankfurt Melisa Ergül-Puopolo, Diakonie Frankfurt und Offenbach und Finn Dohrmann, Caritasverband für die Diözese Limburg, während eines Lehrgangs im Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Walsrode. Sie erlebten zwei Tage lang mit, wie die Bundespolizei Beamtinnen und Beamte auf begleitete Rückführungsmaßnahmen vorbereitet.
Um Abschiebungen auf dem Luftweg zu begleiten, müssen Angehörige von Behörden, meist ist dies Bundes- und Landespolizei, eine dreiwöchige Fortbildung absolvieren. Die Ausbildung wurde konzipiert, nachdem 1999 die Abschiebung des aus dem Sudan stammenden Aamir Ageeb mit dessen Tod endete.
Während des Lehrgangs übten Polizistinnen und Polizisten beispielsweise die deeskalierende Kommunikation zu den Rückzuführenden und das Kapitänsgespräch. Das Kapitänsgespräch war für die Abschiebungsbeobachtung besonders aufschlussreich, denn ihre Beobachtung endet mit dem Einstieg ins Flugzeug, so dass sie das Gespräch mit dem Flugkapitän nicht beobachten können. Beim Lehrgang erfuhren Melisa Ergül-Puopolo und Finn Dohrmann erstmals, wie die Ausbilder den Umgang der Polizistinnen und Polizisten mit Kapitän und Crew schult und worauf es ihnen dabei ankommt.
Die Abschiebungsbeobachtung erhielt auch Zeit für einen kurzen Vortrag, um ihre Aufgaben darzustellen. „Wir haben unseren Wunsch zum Ausdruck gebracht, gut mit den Beamtinnen und Beamten zusammenzuarbeiten“, sagt Melisa Ergül-Puopolo. „Es war ein offener Austausch möglich, in der auch Vorurteile der Polizeikräfte ernstgenommen und diskutiert werden konnten“, ergänzt Finn Dohrmann.
Foto: Bundespolizei